Ich war 28 als mein Bankberater mir zum ersten Mal einen Bausparvertrag empfohlen hat. Er saß mir gegenüber, schob mir eine Hochglanzbroschüre über den Tisch und erklärte mir wie sicher und staatlich gefördert das Ganze sei. Ich habe unterschrieben.
Was ich damals nicht wusste – und was er mir nicht gesagt hat – war eine ganze Reihe von Dingen die meine Entscheidung möglicherweise anders hätte ausfallen lassen. Nicht dass ein Bausparvertrag grundsätzlich schlecht ist. Aber informierte Entscheidungen sind bessere Entscheidungen. Hier ist was ich inzwischen weiß.
Wichtiger Hinweis: Ein Bausparvertrag ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Dieser Artikel ist mein persönlicher Erfahrungsbericht und ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Vergleiche immer mehrere Angebote bevor du unterschreibst.
Das Wichtigste vorab: Bausparverträge sind nicht per se schlecht – aber sie sind auch nicht automatisch gut. Die Wahrheit liegt wie so oft in den Details. Und genau die Details hat mir mein Bankberater damals nicht erklärt.
Jetzt Bausparverträge kostenlos und unabhängig vergleichen
Zum kostenlosen BausparvergleichWas Nummer 1: Die Abschlussgebühr ist sofort weg
Mein Bankberater hat die Abschlussgebühr erwähnt. Kurz. Fast beiläufig. Er sagte sie beträgt 1% der Bausparsumme und werde aus den ersten Einzahlungen entnommen. Ich nickte.
Was ich nicht verstanden hatte: Diese 1% sind sofort und unwiderruflich weg. Bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro sind das 500 Euro die in dem Moment verschwinden in dem der Vertrag abgeschlossen wird. Sie erscheinen nie wieder auf meinem Konto. Sie verzinsen sich nicht. Sie sind weg.
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Über die Laufzeit betrachtet ist es das nicht. 500 Euro die ich stattdessen in einen ETF-Sparplan eingezahlt hätte wären bei 7% jährlicher Rendite in 15 Jahren über 1.300 Euro wert. Das ist der unsichtbare Preis des Bausparvertrags den niemand in der Broschüre abbildet.
Was das bedeutet: Die Abschlussgebühr macht einen Bausparvertrag in den ersten Jahren grundsätzlich zum Verlustgeschäft wenn man ihn kündigt. Das ist kein Betrug – aber es ist eine Information die du vor dem Unterschreiben kennen solltest.
Was Nummer 2: Der Guthabenzins ist fast irrelevant
In der Broschüre stand ein Guthabenzins. Klein gedruckt. Irgendwas zwischen 0,01% und 1%. Mein Bankberater sprach hauptsächlich über den Darlehenszins – wie günstig ich später bauen könne.
Was er nicht sagte: In den Jahren bevor ich das Darlehen bekomme liegt mein Geld zu einem Zinssatz der in den letzten Jahren real unter der Inflationsrate lag. Das bedeutet mein Geld im Bausparvertrag wurde weniger wert während es dort lag.
Der eigentliche Wert eines Bausparvertrags liegt im gesicherten Darlehenszins – nicht im Sparzins. Wer das versteht trifft eine andere Entscheidung als wer glaubt er spare zu einem attraktiven Zinssatz.
Was Nummer 3: Die Zuteilung kommt nicht automatisch
Ich dachte: Ich spare sieben Jahre, dann bekomme ich mein Darlehen. Automatisch. So funktioniert das nicht.
Die Zuteilung hängt von einer sogenannten Bewertungszahl ab – einem internen Berechnungssystem der Bausparkasse das von Sparrhythmus, Sparhöhe und der Gesamtsituation des Kollektivs abhängt. In Phasen wo viele Bausparer gleichzeitig ihr Darlehen abrufen wollen kann sich die Zuteilung verzögern.
Mein Bankberater sprach von einer typischen Laufzeit. Was er nicht erklärte war dass diese Laufzeit eine Schätzung ist – keine Garantie. Ich kenne Menschen die länger als erwartet auf ihre Zuteilung gewartet haben weil die Bausparkasse mehr Auszahlungen stemmen musste als geplant.
Was du tun kannst: Frage deinen Berater explizit nach der aktuellen durchschnittlichen Zuteilungsdauer beim spezifischen Tarif den du abschließen willst. Diese Information ist öffentlich – sie wird nur selten freiwillig genannt.
Was Nummer 4: Der Vergleich mit anderen Anbietern fehlt komplett
Mein Bankberater arbeitete für eine Sparkasse. Er empfahl mir die LBS. Nur die LBS. Kein Wort über Schwäbisch Hall. Kein Wort über Wüstenrot. Kein Wort darüber dass es damals möglicherweise günstigere Tarife bei anderen Bausparkassen gab.
Das ist kein Vorwurf an den Berater persönlich – er konnte nur das verkaufen was seine Bank im Angebot hatte. Aber es ist ein strukturelles Problem. Ein Bankberater ist kein unabhängiger Finanzberater. Er ist Verkäufer für das Produktportfolio seiner Institution.
Was ich heute weiß: Die Unterschiede zwischen den Bausparkassen können je nach Tarif und Zeitpunkt mehrere tausend Euro über die Laufzeit ausmachen. Ein unabhängiger Vergleich vor dem Abschluss ist kein Luxus – er ist Pflicht.
Den unabhängigen Bausparvergleich den ich damals gebraucht hätte findest du hier:
Kostenloser Bausparvergleich auf Bausparguru.deWas Nummer 5: Die staatliche Förderung hat Einkommensgrenzen
Staatliche Förderung klang gut. Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmer-Sparzulage – mein Bankberater erwähnte beide. Was er nicht betonte: Beide Förderungen haben Einkommensgrenzen die für viele Berufstätige in Ballungsräumen heute überschritten sind.
Wohnungsbauprämie: zu versteuerndes Jahreseinkommen unter 35.000 Euro für Singles. Arbeitnehmer-Sparzulage: unter 17.900 Euro für Singles. Wer in München, Hamburg oder Frankfurt arbeitet und Vollzeit beschäftigt ist überschreitet diese Grenzen oft schon im dritten oder vierten Berufsjahr.
Das bedeutet nicht dass ein Bausparvertrag ohne Förderung sinnlos ist. Aber der oft beschworene Fördervorteil ist für einen erheblichen Teil der Bevölkerung schlicht nicht vorhanden. Das hätte ich gerne früher gewusst.
Wichtiger Hinweis: Prüfe vor dem Abschluss ob du tatsächlich Anspruch auf Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage hast. Ohne diese Förderungen verändert sich die Renditerechnung erheblich.
Was Nummer 6: Eine Kündigung in den ersten Jahren ist fast immer ein Verlustgeschäft
Lebenspläne ändern sich. Das weiß jeder. Was mir mein Bankberater nicht klar gemacht hat: Ein Bausparvertrag ist eine der unflexibelsten Sparformen die es gibt.
Wenn ich nach drei Jahren kündige habe ich die Abschlussgebühr bezahlt, Guthabenzinsen von fast nichts erhalten und bekomme mein Guthaben zurück – minus Steuer auf die minimalen Zinsen. In den ersten Jahren ist das Ergebnis fast immer ein Verlust gegenüber dem was ich in einem Tagesgeldkonto oder ETF-Sparplan hätte erreichen können.
Das ist kein Betrug. Das ist das Wesen eines Bausparvertrags – er ist auf lange Laufzeiten ausgelegt. Aber wer das nicht weiß schließt einen Vertrag ab dem er vielleicht nicht so langfristig treu bleiben kann wie nötig.
Was Nummer 7: Der Bankberater verdient an meinem Abschluss
Das ist das Unbequemste – und das Wichtigste.
Mein Bankberater hat mir den Bausparvertrag empfohlen. Er hat dabei eine Provision erhalten. Nicht von mir direkt – sondern von der Bausparkasse. Die Höhe dieser Provision hängt davon ab wie viele Verträge er verkauft und wie hoch die Bausparsummen sind.
Das macht seinen Rat nicht automatisch falsch. Aber es schafft einen Interessenkonflikt der mir damals nicht bewusst war. Ein Berater der eine Provision für Abschlüsse erhält hat einen finanziellen Anreiz zum Abschluss – unabhängig davon ob der Vertrag optimal für mich ist.
Was ich heute mache: Ich hole mir immer eine zweite Meinung von einem unabhängigen Vergleich bevor ich einen längerfristigen Finanzvertrag unterschreibe. Nicht weil ich dem Berater misstraue – sondern weil ich die Verantwortung für meine Finanzen selbst trage.
Mein persönlicher Rat: Geh ruhig zur Bankberatung. Hör dir den Vorschlag an. Dann geh nach Hause und vergleiche das Angebot unabhängig. Wenn der Vergleich dasselbe Ergebnis zeigt hast du nichts verloren – außer einer Stunde Zeit. Wenn der Vergleich ein besseres Angebot zeigt hast du möglicherweise tausende Euro gespart.
Wann lohnt sich ein Bausparvertrag trotzdem?
Ich will nicht den Eindruck erwecken dass Bausparverträge grundsätzlich schlecht sind. Das wäre genauso falsch wie die unkritische Empfehlung meines Bankberaters damals.
Ein Bausparvertrag lohnt sich wirklich wenn folgende Punkte zutreffen:
- Konkrete Immobilienabsicht: Du planst ernsthaft in den nächsten 10-15 Jahren eine Immobilie zu kaufen oder zu renovieren. Wer keinen Plan hat braucht keinen Bausparvertrag.
- Staatliche Förderung: Du hast tatsächlich Anspruch auf Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmer-Sparzulage. Dann verbessert sich die Rendite erheblich.
- Zinssicherung: Du glaubst dass die Zinsen in den nächsten Jahren steigen werden und willst dir heute einen günstigen Darlehenszins sichern. Das ist das Kernargument für einen Bausparvertrag.
- Langfristige Disziplin: Du bist sicher dass du den Vertrag bis zur Zuteilung durchhalten kannst ohne ihn vorzeitig zu kündigen.
- Wohn-Riester: Du hast Anspruch auf Riester-Förderung und möchtest diese für Wohneigentum nutzen. Hier kann ein Bausparvertrag sehr attraktiv sein.
Was ich heute anders machen würde
Ich würde trotzdem einen Bausparvertrag abschließen – aber nicht so wie damals.
Ich würde zuerst selbst recherchieren. Ich würde mehrere Anbieter vergleichen – nicht nur den der meine Bank verkauft. Ich würde ausrechnen ob meine Einkommenssituation staatliche Förderung erlaubt. Ich würde den Berater konkret fragen wie viel Provision er beim Abschluss erhält. Und ich würde den Vertrag nicht beim ersten Termin unterschreiben.
Informierte Entscheidungen sind bessere Entscheidungen. Das gilt für Bausparverträge genauso wie für alles andere im Leben.
Jetzt unabhängig vergleichen – alle Bausparverträge auf einen Blick
Zum kostenlosen BausparvergleichHäufige Fragen rund um den Bausparvertrag
Hat mein Bankberater wirklich einen Interessenkonflikt?
Bankberater die Bausparverträge verkaufen erhalten in der Regel eine Provision vom Anbieter. Das ist legal und üblich – aber es schafft einen Interessenkonflikt. Das bedeutet nicht dass jeder Rat schlecht ist. Es bedeutet dass du eine zweite unabhängige Meinung einholen solltest bevor du unterschreibst.
Lohnt sich ein Bausparvertrag ohne staatliche Förderung?
Das hängt stark von der aktuellen Zinssituation ab. In einem Umfeld steigender Zinsen kann die Zinssicherung eines Bausparvertrags auch ohne Förderung attraktiv sein. In einem Niedrigzinsumfeld ist die Rechnung schwieriger. Ein unabhängiger Vergleich zeigt dir die aktuellen Konditionen.
Was passiert wenn ich den Bausparvertrag kündigen muss?
Du bekommst dein angespartes Guthaben zurück – minus der bereits bezahlten Abschlussgebühr die nicht erstattet wird. In den ersten Jahren ist das fast immer ein Verlust. Prüfe vor einer Kündigung ob eine Beitragsfreistellung oder der Verkauf des Vertrags sinnvoller ist.
Wie finde ich den besten Bausparvertrag unabhängig von meiner Bank?
Nutze einen unabhängigen Vergleichsrechner der alle großen Bausparkassen abbildet – nicht nur die deiner Hausbank. Achte auf Guthabenzins, Darlehenszins, Abschlussgebühr und die Mindestlaufzeit bis zur Zuteilung. Den kostenlosen Vergleich findest du hier:
Zum kostenlosen Bausparvergleich auf Bausparguru.deIst ein Bausparvertrag besser als ein ETF-Sparplan?
Das sind unterschiedliche Instrumente für unterschiedliche Ziele. Ein ETF-Sparplan ist für den langfristigen Vermögensaufbau ohne konkretes Immobilienziel in der Regel renditestärker. Ein Bausparvertrag ist für den gezielten Aufbau von Eigenkapital für Wohneigentum mit Zinssicherung und staatlicher Förderung konzipiert. Wer beides will kann beides parallel betreiben.
Bausparverträge jetzt kostenlos vergleichen:
Zum Bausparvergleich auf Bausparguru.de