Als ich die Zuteilungsbenachrichtigung meines Bausparvertrags im Briefkasten hatte, war ich erst mal unsicher: Was bedeutet das genau? Was muss ich jetzt tun? Und vor allem – wie lange habe ich Zeit? Niemand hatte mir erklärt was nach der Zuteilung passiert. Ich habe es mir selbst zusammengesucht und dabei einiges gelernt.
Die gute Nachricht: Die Zuteilung ist der Moment auf den du jahrelang hingespart hast. Aber es gibt Entscheidungen die du jetzt treffen musst – und Fristen die du kennen solltest. Ich erkläre dir Schritt für Schritt was passiert, welche drei Optionen du hast, und welche Fehler du vermeiden solltest.
Achtung: Die Zuteilung ist fristgebunden!
Du hast nach Erhalt der Zuteilungsbenachrichtigung typischerweise nur 4–6 Wochen um zu reagieren. Verpasst du diese Frist, verfällt der Zuteilungsanspruch. Lies die Benachrichtigung deiner Bausparkasse sofort vollständig – die genaue Frist steht dort.
Was bedeutet die Zuteilung eines Bausparvertrags?
Die Zuteilung ist der Moment, ab dem dein Bausparvertrag „scharf gestellt" ist: Du hast jetzt Anspruch auf dein angespartes Guthaben plus das vereinbarte Bauspardarlehen. Zusammen ergibt das die Bausparsumme.
Konkret: Du hast einen Bausparvertrag über 60.000 € Bausparsumme abgeschlossen und 26.000 € angespart. Mit der Zuteilung stehen dir 26.000 € Guthaben und 34.000 € Bauspardarlehen zu Deinem vertraglich vereinbarten günstigen Zinssatz zur Verfügung – zusammen also die vollen 60.000 €.
Die Zuteilung passiert automatisch – du musst nichts dafür tun. Die Bausparkasse berechnet laufend anhand des Zuteilungstopfs (dem Geld aller Bausparer) wann sie wem Geld auszahlen kann.
Zuteilungsvoraussetzungen – was musste erfüllt sein?
Damit dein Vertrag zugeteilt werden kann, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Mindestsparguthaben: Meist 40–50 % der Bausparsumme müssen angespart sein. Bei 60.000 € Bausparsumme sind das 24.000–30.000 €.
- Mindestbewertungszahl: Eine interne Kennzahl der Bausparkasse, die von Spardauer, Sparhöhe und Ansparrhythmus abhängt. Sie stellt sicher, dass du deinen Teil zum kollektiven System beigetragen hast.
- Mindestsparzeit: In der Regel 18–24 Monate Mindestlaufzeit.
Alle erfüllten Kriterien sind in der Zuteilungsbenachrichtigung aufgelistet. Die genauen Werte für deinen Vertrag stehen im Bauspartarif den du bei Vertragsabschluss bekommen hast.
Deine drei Optionen nach der Zuteilung
Option A: Darlehen annehmen – Immobilie finanzieren oder umschulden
Das ist der klassische Weg und der Grund warum du den Bausparvertrag ursprünglich abgeschlossen hast. Du nimmst das Bauspardarlehen zu deinem vertraglich vereinbarten – und heute deutlich günstiger als der Markt – Zinssatz an.
Wofür das Darlehen nutzbar ist:
- Kauf oder Bau einer Immobilie (Eigennutzung oder Vermietung)
- Modernisierung und energetische Sanierung der eigenen Immobilie
- Anschlussfinanzierung – Ablösung einer laufenden Baufinanzierung bei Zinsbindungsende
Was du dafür brauchst:
- Nachweis der wohnwirtschaftlichen Verwendung (Kaufvertrag, Kostenvoranschlag, Handwerkerrechnung)
- Grundbucheintrag als Sicherheit in den meisten Fällen
Wichtig für die Wohnungsbauprämie:
Wenn du das Darlehen nimmst und wohnwirtschaftlich verwendest, bleibt die Wohnungsbauprämie vollständig erhalten – unabhängig von der Vertragslaufzeit. Die 7-Jahres-Sperrfrist entfällt bei wohnwirtschaftlicher Nutzung.
Für alle die ihre Anschlussfinanzierung absichern wollen: Wie das genau funktioniert erkläre ich im Artikel Bausparvertrag als Zinspuffer für die Anschlussfinanzierung.
Option B: Nur Guthaben auszahlen – Darlehen verzichten
Du lässt dein angespartes Guthaben auszahlen, nimmst das Bauspardarlehen aber nicht in Anspruch. Das macht Sinn wenn du das Guthaben als reines Eigenkapital einsetzen willst oder keine Restfinanzierung brauchst.
Wann diese Option sinnvoll ist:
- Du finanzierst die Immobilie komplett aus Eigenkapital (seltener Fall)
- Du willst nur das Guthaben als Anzahlung nutzen und extern günstiger finanzieren
- Die aktuellen Marktkonditionen sind zufällig günstiger als dein Bauspardarlehen (aktuell sehr unwahrscheinlich)
Mehr zu allem rund um die Auszahlung erklärt unser Artikel Bausparvertrag auszahlen lassen.
Option C: Zuteilung ablehnen – weiter besparen
Du lehnst die Zuteilung ab und besparst den Vertrag weiter. Der Vertrag läuft wie bisher – bis zur nächsten Zuteilung.
Wann diese Option sinnvoll ist:
- Du hast aktuell keinen Immobilienbedarf und willst das Guthaben weiter anwachsen lassen
- Der Vertrag ist noch sehr jung und du willst höhere Förderungen durch längere Laufzeit mitnehmen
- Du wartest auf ein bestimmtes Bauprojekt das noch nicht spruchreif ist
Tarif prüfen!
Manche Tarife knüpfen Bonuszinsen oder Sonderkonditionen an die erste Zuteilung. Wenn du ablehnst, könnten diese verloren gehen. Lies deinen Tarif oder frag direkt bei deiner Bausparkasse nach.
Fristen – wie lange hast du Zeit?
Die wichtigsten Fristen im Überblick:
- Annahmefrist: 4–6 Wochen ab Zuteilungsbenachrichtigung – du musst der Bausparkasse mitteilen ob du annimmst oder ablehnst. Steht konkret in deiner Benachrichtigung.
- Darlehensabruf: Nach Annahme hast du je nach Tarif 6–12 Monate um das Darlehen tatsächlich abzurufen und den Verwendungsnachweis vorzulegen.
- Sperrfrist Wohnungsbauprämie: 7 Jahre ab Vertragsbeginn – entfällt komplett bei wohnwirtschaftlicher Verwendung.
- Sperrfrist Arbeitnehmersparzulage: 7 Jahre ab Vertragsbeginn – entfällt ebenfalls bei wohnwirtschaftlicher Verwendung.
Die exakten Fristen für deinen konkreten Vertrag stehen immer in der Zuteilungsbenachrichtigung. Im Zweifelsfall: Ruf direkt bei deiner Bausparkasse an. Die sind in dieser Phase sehr hilfsbereit – es ist ihr Kerngeschäft.
Rechenbeispiel: Was bringt das Bauspardarlehen wirklich?
Ich rechne alle drei Optionen für einen typischen Bausparvertrag durch – damit du siehst was auf dem Spiel steht.
Ausgangssituation: Bausparvertrag 60.000 € zugeteilt
- Guthaben nach 8 Jahren (270 €/Monat): 26.000 €
- Bauspardarlehen: 34.000 € zu vertragl. 1,5 % Zinssatz
- Marktkonditionen 2026 (vergleichbares Darlehen): ca. 3,4 %
Option A: Darlehen annehmen
Monatliche Rate: ~303 €
Gesamtzinsen BSV: ~2.360 €
Gesamtzinsen Markt: ~5.870 €
Zinsersparnis: ~3.510 €
+ WBP ~840 € (6 J., Single)
Gesamtvorteil: ~4.350 €
Option B: Nur Guthaben
Verfügbar: 26.000 €
Kein Darlehensvorteil
Restfinanzierung zu Marktkonditionen
WBP nur bei wohnwirtschaftl. Nutzung
Kein Zinsvorteil
Option C: Ablehnen
Weiter ~270 €/Monat sparen
Kein sofortiger Zugriff
Mehr Guthaben beim nächsten Mal
Sinnvoll ohne aktuellen Bedarf
Eigene Berechnung zur Veranschaulichung. Keine Rechts- oder Steuerberatung. Konditionen variieren je Anbieter und Tarif.
Was passiert mit Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage?
Wohnungsbauprämie (WBP)
Die Wohnungsbauprämie bleibt dir erhalten wenn:
- Du das Guthaben wohnwirtschaftlich verwendest (Kauf, Bau, Modernisierung) – dann entfällt die Sperrfrist komplett, egal wie jung der Vertrag ist
- Oder der Vertrag mindestens 7 Jahre gelaufen ist – dann kannst du auch ohne wohnwirtschaftliche Verwendung frei verfügen
Zahlst du das Guthaben aus ohne wohnwirtschaftlichen Nachweis und der Vertrag läuft noch keine 7 Jahre, musst du die WBP zurückzahlen. Alle Details erklärt unser Artikel Wohnungsbauprämie 2026.
Arbeitnehmersparzulage
Dieselbe Logik gilt für die Arbeitnehmersparzulage: 7-Jahres-Sperrfrist, die bei wohnwirtschaftlicher Verwendung entfällt. Bei vorzeitiger Auszahlung ohne Nachweis muss die Sparzulage zurück ans Finanzamt. Mehr dazu: Arbeitnehmersparzulage 2026.
Steuerliche Aspekte – kurzer Überblick
Die gute Nachricht: Steuerlich ist der Bausparvertrag unkompliziert.
- Guthabenzinsen: Steuerpflichtig, unterliegen der Abgeltungssteuer (25 % + Soli). Der Sparerpauschbetrag (1.000 € Singles / 2.000 € Paare) deckt bei den niedrigen Guthabenzinsen meist alles ab.
- Bauspardarlehen: Das Darlehen selbst ist nicht steuerpflichtig.
- Eigengenutzte Immobilie: Die Darlehenszinsen sind nicht als Werbungskosten absetzbar.
- Vermietete Immobilie: Schuldzinsen (inkl. Bauspardarlehen) sind als Werbungskosten absetzbar – das kann die Steuerbelastung deutlich senken.
Hinweis: Diese Angaben sind allgemeiner Natur und ersetzen keine individuelle Steuerberatung. Bei komplexeren Situationen (Vermietung, Scheidung, Erbschaft) bitte einen Steuerberater hinzuziehen.
Falls du planst, KfW-Förderung mit deinem Bauspardarlehen zu kombinieren, lohnt sich ein Blick in unseren Artikel KfW Förderung mit Bausparvertrag kombinieren.
Die 4 häufigsten Fehler nach der Zuteilung
Fehler 1: Die Annahmefrist verpassen
Die Zuteilungsbenachrichtigung landet im Stapel und nach 6 Wochen ist die Frist abgelaufen. Der Zuteilungsanspruch verfällt – du musst auf die nächste Runde warten. Sofort lesen und Frist im Kalender notieren.
Fehler 2: Das Darlehen annehmen obwohl man es nicht braucht
Das Bauspardarlehen muss wohnwirtschaftlich verwendet werden. Wer es annimmt ohne konkretes Projekt zahlt Darlehensgebühren ohne Gegenleistung. Nur annehmen wenn die Verwendung konkret geplant ist.
Fehler 3: Wohnungsbauprämie durch falsche Auszahlung verlieren
Wer das Guthaben ohne wohnwirtschaftliche Verwendung vor 7 Jahren auszahlen lässt, muss die WBP zurückzahlen. Das können bei langer Laufzeit mehrere Hundert Euro sein. Immer prüfen ob die Sperrfrist abgelaufen ist.
Fehler 4: Den Marktvergleich vergessen
Vor der Darlehensannahme kurz prüfen: Sind die aktuellen Marktkonditionen zufällig günstiger als dein Bausparzins? Aktuell (2026, Marktzins ~3,4 %) ist das sehr unwahrscheinlich – aber es kann sich ändern. Ein kurzer Vergleich über unseren Bausparvertrag Vergleich kostet nichts.
Meine Empfehlung: Checkliste nach der Zuteilung
Was du jetzt tun solltest – Schritt für Schritt:
- ☑ Zuteilungsbenachrichtigung vollständig lesen – Fristen (Annahme + Darlehensabruf) sofort im Kalender notieren
- ☑ Immobilienpläne prüfen – Ist in den nächsten 6–12 Monaten ein Kauf, Bau oder eine Modernisierung geplant?
- ☑ Darlehenszins vergleichen – Aktuellen Bauspardarlehens-Zins mit Marktkonditionen abgleichen (aktuell meist klarer Vorteil für das Bauspardarlehen)
- ☑ Wohnungsbauprämie-Status prüfen – Ist die 7-Jahres-Sperrfrist abgelaufen oder liegt wohnwirtschaftliche Verwendung vor?
- ☑ Arbeitnehmersparzulage-Status prüfen – Ebenfalls 7-Jahres-Frist prüfen
- ☑ Bei Vermietung: Steuerberater fragen – Schuldzinsenabzug optimieren
- ☑ Entscheidung mitteilen – Option A, B oder C innerhalb der Annahmefrist schriftlich an die Bausparkasse
Fazit
Die Zuteilung klingt komplizierter als sie ist. Wer die drei Optionen kennt und die Fristen im Blick hat, trifft in den meisten Fällen eine klare Entscheidung: Wer das Bauspardarlehen zu günstigeren Konditionen als der Markt bietet nutzen kann, sollte es tun – der Zinsvorteil ist real und kann mehrere Tausend Euro ausmachen. Wer keinen Bedarf hat, lässt das Guthaben auszahlen oder besparte weiter.
Das Einzige das du wirklich nicht tun solltest: Die Benachrichtigung ignorieren und die Frist verpassen. Der Rest ist machbar.
Häufig gestellte Fragen
✍️ Über den Autor
Alexander Mitzkus
Alexander lebt im Ruhrgebiet und hat selbst mehrere Bausparverträge abgeschlossen und einen Immobilienkauf durchlaufen. Auf Bausparguru.de teilt er seine Erfahrungen und vergleicht Konditionen – ohne Bankberater-Filter.
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