Irgendwann kommt der Moment, in dem du dich fragst: Soll ich meinen Bausparvertrag jetzt auszahlen lassen — oder weiterlaufen lassen? Vielleicht haben sich deine Pläne geändert, vielleicht brauchst du das Geld für etwas anderes, oder du fragst dich schlicht, ob der Vertrag noch das Richtige für dich ist.
Ich erkläre dir in diesem Artikel genau, wie die Auszahlung funktioniert, wann sie sinnvoll ist — und wann du besser die Finger davon lässt.
Wann kannst du deinen Bausparvertrag auszahlen lassen?
Grundsätzlich gibt es zwei Situationen, in denen du dein Guthaben ausgezahlt bekommst:
1. Nach der Zuteilung
Wenn dein Vertrag zuteilungsreif ist, du also das Mindestsparguthaben erreicht hast und die Mindestlaufzeit abgelaufen ist. Dann kannst du wählen: Darlehen in Anspruch nehmen oder das angesparte Guthaben einfach auszahlen lassen.
2. Durch vorzeitige Kündigung
Wenn du den Vertrag vor der Zuteilung auflöst. Das ist jederzeit möglich, hat aber oft Nachteile.
Der wichtigste Unterschied: Nach der Zuteilung auszahlen lassen ist in der Regel problemlos. Vorher kündigen kostet dich unter Umständen Förderungen.
So läuft die Auszahlung nach der Zuteilung ab
Wenn dein Bausparvertrag zuteilungsreif ist und du kein Darlehen willst, teilst du deiner Bausparkasse einfach schriftlich mit, dass du auf das Darlehen verzichtest und dir das Guthaben auszahlen lassen möchtest.
Die Bausparkasse überweist dir dann:
- dein angespartes Guthaben
- die aufgelaufenen Guthabenzinsen (abzüglich Abgeltungssteuer falls zutreffend)
- eventuelle Bonuszinsen, die im Tarif vereinbart sind
Die Auszahlung dauert je nach Bausparkasse zwischen wenigen Tagen und einigen Wochen. Einen festen gesetzlichen Zeitrahmen gibt es nicht — schau in deine Vertragsbedingungen.
Was passiert bei vorzeitiger Auflösung?
Wenn du den Vertrag vor der Zuteilung kündigst, bekommst du dein eingezahltes Guthaben plus Zinsen zurück. Das klingt erst mal gut — aber es gibt drei Punkte die du kennen musst:
Verlust der Wohnungsbauprämie
Die Wohnungsbauprämie wird nur ausgezahlt, wenn du das Geld für wohnwirtschaftliche Zwecke verwendest — also für Kauf, Bau oder Modernisierung einer Immobilie. Löst du den Vertrag auf und verwendest das Geld anderweitig, musst du bereits erhaltene Prämien zurückzahlen.
Ausnahme: Du bist älter als 25 Jahre und hast den Vertrag mindestens 7 Jahre laufen lassen.
Mehr zur Wohnungsbauprämie findest du in unserem Ratgeber zur staatlichen Förderung.
Verlust der Arbeitnehmer-Sparzulage
Ähnliches gilt für die Arbeitnehmer-Sparzulage bei vermögenswirksamen Leistungen. Auch hier greift eine Sperrfrist von 6–7 Jahren. Wer vorher auflöst, riskiert die Rückforderung bereits gewährter Zulagen.
Mögliche Gebühren
Manche Bausparkassen verlangen bei vorzeitiger Kündigung eine Bearbeitungsgebühr. Lies deine Vertragsbedingungen genau durch — oder ruf direkt bei deiner Bausparkasse an.
Steuern bei der Auszahlung — was musst du wissen?
Hier herrscht oft Verwirrung, deshalb erkläre ich es klar:
Das angesparte Kapital selbst ist steuerfrei
Du bekommst deine eingezahlten Beiträge ohne Abzug zurück.
Die Guthabenzinsen sind steuerpflichtig
Die Zinsen gelten als Kapitaleinkünfte und unterliegen der Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer — realistisch also 26,4 bis 28 Prozent. Die Bausparkasse führt diese Steuer automatisch ans Finanzamt ab.
Der Sparer-Pauschbetrag schützt die meisten Bausparer
Die Kapitalertragsteuer fällt erst an, wenn deine jährlichen Kapitalerträge den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (Alleinstehende) bzw. 2.000 Euro (Verheiratete) übersteigen.
Mit einem Freistellungsauftrag kannst du verhindern, dass die Bausparkasse automatisch Steuern abzieht.
Wohn-Riester ist ein Sonderfall
Wenn du einen Riester-Bausparvertrag hast und das Geld nicht für Wohnzwecke nutzt, sind die steuerlichen Konsequenzen deutlich gravierender — hier unbedingt vorher steuerlichen Rat einholen.
Wann ist die Auszahlung sinnvoll — und wann nicht?
Sinnvoll wenn:
- ✓ deine Pläne sich geändert haben und du keine Immobilie mehr kaufen willst
- ✓ der vereinbarte Darlehenszins höher ist als aktuelle Marktkonditionen
- ✓ der Guthabenzins deines alten Vertrags unter der Inflation liegt
- ✓ du das Geld für einen anderen wohnwirtschaftlichen Zweck nutzt (dann bleiben Förderungen erhalten)
Nicht sinnvoll wenn:
- ✖ du noch innerhalb der Sperrfristen bist und Förderungen verlierst
- ✖ dein Vertrag Bonuszinsen hat die kurz vor der Auszahlung stehen
- ✖ du planst in den nächsten Jahren eine Immobilie zu kaufen — dann ist das günstige Bauspardarlehen oft wertvoller als das ausgezahlte Guthaben
Falls du unsicher bist ob sich dein aktueller Bausparvertrag noch lohnt, schau dir unseren Bausparvertrag Vergleich an — dort siehst du aktuelle Konditionen auf einen Blick.
Schritt-für-Schritt: So lässt du deinen Bausparvertrag auszahlen
Unterlagen prüfen
Schau in deinen Vertrag: Bist du zuteilungsreif? Gibt es Sperrfristen?
Förderungen prüfen
Hast du Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmer-Sparzulage erhalten? Prüfe ob du sie behalten darfst.
Bausparkasse kontaktieren
Ruf an oder schreib einen Brief mit dem Wunsch auf Auszahlung (bei Zuteilung: Darlehensablehnung erklären).
Freistellungsauftrag prüfen
Stelle sicher, dass dein Freistellungsauftrag ausreicht um die Zinsen steuerfrei zu stellen.
Auszahlung abwarten
Je nach Bausparkasse dauert es einige Tage bis Wochen.
Häufige Fragen zur Bausparvertrag-Auszahlung
Mein Fazit
Die Auszahlung eines Bausparvertrags ist kein Drama — wenn du weißt was du tust. Der größte Fehler ist die vorzeitige Kündigung ohne vorher zu prüfen ob Förderungen verloren gehen.
Wer hingegen nach der Zuteilung auszahlen lässt und das Geld sinnvoll einsetzt, macht in den meisten Fällen nichts falsch.
Wenn du noch keinen Bausparvertrag hast oder deinen bestehenden Vertrag mit aktuellen Angeboten vergleichen möchtest, hilft dir unser kostenloser Bausparvertrag Vergleich weiter — dort findest du aktuelle Konditionen aller großen Bausparkassen auf einen Blick.
Jetzt Bausparvertrag vergleichen✍️ Über den Autor
Alexander Mitzkus
Alexander lebt im Ruhrgebiet und hat selbst mehrere Bausparverträge abgeschlossen und einen Immobilienkauf durchlaufen. Auf Bausparguru.de teilt er seine Erfahrungen und vergleicht Konditionen – ohne Bankberater-Filter.
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